Restaurantumsätze: Covid-Zertifikate, Sonnenschein und Impfraten

5. Oktober 2021 (in English / en Francais)

Am 8. September gab die Schweizer Bundesregierung bekannt, dass die Verbraucher ab Montag, dem 13. September, ein Covid-19-Zertifikat (Nachweis der Impfung, negativer Test oder Genesung von COVID-19) benötigen, um in Restaurants und Bars einzukehren. Das Covid-Zertifikat wird auch für andere Freizeitaktivitäten in geschlossenen Räumen obligatorisch.[1]

In den beiden Wochen unmittelbar nach Einführung der Zertifikatspflicht (13.-26. September, Wochen 37-38) gingen die Kartenzahlung in Restaurants im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Wochen (30. August – 12. September, Wochen 35-36) um 13 % zurück. Wie Abbildung 1 zeigt, ist dieser Rückgang außergewöhnlich, da in den Jahren 2020 und 2019 kein entsprechender Rückgang im Monat September beobachtet werden konnte.

Abbildung 1. Wöchentliches elektronisches Zahlungsvolumen für Gastronomiebetriebe in der Schweiz 2019-2021.

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Eine mögliche Erklärung für den Rückgang ist das Ende der Sommersaison und ein Rückgang der Ausgaben der ausländischen Gäste. Abbildung 2 zeigt jedoch, dass die Ausgaben ausländischer Karteninhaber in den Wochen 37-38 im Vergleich zu den Wochen 35-36 nur um 6,6 % zurückgegangen sind. Der Rückgang bei den Ausgaben der inländischen Verbraucher ist deutlich stärker: 13,8 %.

Abbildung 2. Wöchentliches elektronisches Zahlungsvolumen für Gastronomiebetriebe in der Schweiz 2021. Ausländische vs. inländische Karteninhaber.

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Eine häufig angeführte Erklärung für den Umsatzrückgang in den Wochen 37-38 im Vergleich zu den Wochen 35-36 ist das kühle und nasse Wetter, das zu einem Rückgang der Einnahmen aus Außenbestuhlung führe. Tatsächlich zeigen die täglichen Wetterdaten (freundlicherweise von meteomatics zur Verfügung gestellt) für die Wochen 37-38 im Vergleich zu den Wochen 35-36 einen deutlichen Rückgang der Sonnenstunden und der Temperatur sowie einen Anstieg der Niederschläge. Wie Abbildung 3 für St. Gallen (Panel A) und Waadt (Panel B) für den Zeitraum Juli bis September zeigt, scheinen die Wetterbedingungen jedoch nur schwach mit den Umsätzen der Restaurants zu korrelieren.

Abbildung 3. Tägliche Wetterbedingungen und elektronisches Zahlungsvolumen für Gastronomiebetriebe. Panel A: Kanton St. Gallen. Panel B: Kanton Waadt.

Details: https://monitoringconsumption.com/weather-dashboard/
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Eine genauere Betrachtung der Restaurantumsätze nach Standort und Wochentag lässt darauf schliessen, dass – unter Berücksichtigung der Wetterbedingungen (gemessen anhand der Sonnenstunden) – der beobachtete Umsatz in den Wochen 37-38 wesentlich niedriger ist als in den Wochen 35-36. Außerdem ist die Korrelation zwischen dem Wetter und dem Restaurantumsatz in den Wochen 37-38 viel stärker als in den Wochen 35-36, was darauf hindeutet, dass die Gastronomieumsätze seit der Einführung des Zertifikats stärker auf das Wetter reagieren.

Abbildung 4. Tägliche Sonnenstunden vs. elektronisches Zahlungsvolumen für Gastronomiebetriebe nach Kanton, 30.8. – 26.9.

Details: https://monitoringconsumption.com/restaurant-turnover-sunshine-and-vaccination-rates-before-vs-after-covid19-certificates/

Wenn die Einführung des Covid-19-Zertifikats für den Rückgang des Restaurantumsatzes mitverantwortlich wäre, würde man einen stärkeren Rückgang in den Regionen erwarten, in denen das Zertifikat höhere Transaktionskosten für potenzielle Restaurantgäste bedeuten, d.h. in Kantonen mit niedrigeren Impfquoten. Abbildung 5 zeigt, dass dies tatsächlich der Fall ist. Hier setzen wir die Daten zu den elektronischen Zahlungen in Restaurants in Beziehung zu den Daten zum Anteil der Bevölkerung, der am 1. September vollständig geimpft war (Daten des BAG von https://www.covid19.admin.ch/de/vaccination/persons). Der Kanton St. Gallen mit einer Durchimpfungsrate von 45,7% am 1. September verzeichnete einen Rückgang der Restaurantumsätze von -23,6%, vergleicht man die Wochen 35-36 mit den Wochen 37-38. Dagegen kam es im Kanton Waadt mit einer Durchimpfungsrate von 57% zu einem Rückgang von nur -15,2%.

Figure 5. Rückgang des elektronischen Zahlungsvolumens im Gastgewerbe (Wochen 37-38 im Vergleich zu Wochen 35-36) im Vergleich zur Impfquote nach Kanton.

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Kantone mit niedrigen bzw. hohen Impfquoten unterscheiden sich vermutlich auch nach anderen Eigenschaften, welche die Entwicklung des Restaurantumsatzes in der zweiten Septemberhälfte beeinflusst haben könnten. Unsere Analyse erlaubt daher keine Aussage über die Grösse des kausalen Einflusses der Covid-19-Bescheinigungen auf den Umsatz in  Restaurants.  Dennoch scheinen die oben dargestellten Korrelationen einige Interpretationen der Daten eher zu stützen als andere.


[1] https://www.bag.admin.ch/bag/en/home/krankheiten/ausbrueche-epidemien-pandemien/aktuelle-ausbrueche-epidemien/novel-cov/massnahmen-des-bundes.html