«Azzurro» – so ist der Himmel für fernwehgeplagte Schweizer.

19. August 2021 (in English / en Francais)

«Denn ‘azzurro’ heisst blau», weiss die deutsche Übersetzung des berühmten Schlagers «Azzurro» von Adriano Celentano; so ähnlich müssen viele Schweizer gedacht haben, als sie ihre Sommerferien planten. Denn die Zahlungsdaten von SIX zeigen, dass überproportional viele Auslandstransaktionen mit Schweizer Debitkarten in Italien gemacht wurden: So war das Volumen mit 37.6M SFr. pro Woche in der Spitze (KW30: 26.07.-01.08) um 64% höher als 2020 (KW32) und immer noch 53% höher als im Vorpandemiejahr 2019 (KW31). [1]

Schaut man sich die Ausgaben nach Händlerkategorie an, so stellt man fest, dass sich diejenigen Kategorien, die mit Tourismus im Zusammenhang stehen (Beherbergungen, Restaurants, Tankstellen, Verkehr), gegenüber 2020 beinahe verdoppelt haben (2021: 19.7M CHF in KW30; 2020: 10.4M CHF in KW32). Ausgaben, welche auch mit Einkaufstourismus zusammenhängen könnten (Lebensmittel, Andere Detailhändler), sind dagegen schwächer angestiegen (2021: 15.2M CHF in KW30; 2020: 10.9M CHF in KW32). 

Grafik 1. Debitkarten Ausgaben von Schweizer Kartenhalter in Italien, pro Woche in Million CHF – Händler mit Bezug zu Tourismus.

Hinzu kommen noch Bargeldbezüge in Italien i.H.v. ca. 14M SFr., die nur minimal unter dem Niveau von 2019 lagen. [2] Daher kann die starke Steigerung auch nicht auf eine entsprechende Reduktion im Bargeldeinsatz zurückgeführt werden.

Interessant ist auch ein Vergleich mit Frankreich, Österreich und Deutschland: https://monitoringconsumption.com/debitcard_cross_border/

In Frankreich sehen wir mit 32M SFr. ein um 10% erhöhtes Ausgabenniveau im Vergleich zu den Spitzenwochen von 2020 und 18% im Vergleich zu 2019. Im Gegensatz zu Italien, verhalten sich Bargeldbezüge in Frankreich jedoch rückläufig (9.8M SFr. in 2021 gegenüber 11.4M SFr. in 2020 und 9.5M SFr. in 2019). Debitkartentransaktionen in Österreich bleiben unter dem Niveau von 2020 und 2019 (7.3M SFr. in 2021 gegenüber 8.7M SFr. in 2020 und 8.4M SFr. in 2019) und dies bei starken Rückgängen im Bargeldbezug (1.7M SFr. in 2021 gegenüber 2.3M SFr. in 2020 und 2.9M SFr. in 2019). In Deutschland sind die Ausgaben mit 24.5M pro Woche zwischen den Niveaus von 2019 und 2020; eine Zerlegung nach Händlerkategorien legt jedoch nahe, dass der dominierende Anteil der Ausgaben auf Einkaufstourismus zurückzuführen sein dürfte.

Warum punktet aber ‘azzurro’? Über die Gründe können wir nur spekulieren: Die geographische Nähe und ein vergleichsweise mildes Einreiseregime auf dem Landweg oder relativ geringe Virus-Inzidenzen im Verhältnis zu Frankreich oder Spanien mögen eine Rolle gespielt haben. 

Grafik 2. Debitkarten Ausgaben von Schweizer Kartenhalter im Ausland, pro Woche in Million CHF – Alle Händlerkategorien.

[1] Die Verschiebungen ergeben sich zumeist aus den beweglichen Ferien.

[2] Es können nur Bargeldbezüge im Ausland registriert werden. Der Euro-Bargeldbezug in der Schweiz vor Reiseantritt ins Ausland kann in den Daten nicht gesondert ausgewiesen werden.