Neuste Entwicklung des Konsums in der Schweiz

9. November, 2020 (also in English)

Der Konsum wird wahrscheinlich von den neuen Massnahmen beeinflusst, die von Bund und Kantonen während der vergangenen drei Wochen zur Bekämpfung von Covid-19 umgesetzt wurden. Auf Bundesebene beinhalten diese Massnahmen (seit dem 19. Oktober) eine ausgeweitete Maskenpflicht, eine Schliessung aller Nachtclubs und weitere Restriktionen für Restaurants sowie öffentliche und private Anlässe.

Manche Kantone haben weiterführende Massnahmen ergriffen, wobei diese in der Westschweiz am striktesten sind. Genf hat gegenwärtig die strengsten Massnahmen eingeführt. Eine Übersicht über die kantonalen Massnahmen, welche über die Massnahmen des Bundes hinausgehen, kann hier gefunden werde.

Transaktionen mit Zahlungskarten im Inland: Volumen in CHF nur 2% höher als zu Jahresbeginn

Grafik 1.Transaktionsvolumen (in Mio. CHF) nach Woche und Zahlungskartenart im Jahr 2020
  • Während der vergangenen 4 Wochen (8. Oktober – 4. November) betrug das Gesamtvolumen der Transaktionen mit Kredit- und Debitkarten sowie Bargeldbezüge im Inland 1994 Mio. CHF pro Woche. Das Gesamtvolumen aller Kartentransaktionen liegt damit 2% über dem vor-COVID-19 Niveau[1] (1963 Mio. CHF pro Woche). Das Niveau der Kartentransaktionen während der vergangenen vier Wochen erscheint tief, wenn man die Umsätze um die saisonalen Effekte bereinigt:  Der Detailhandelsumsatz-Index für die Schweiz beispielsweise zeigt, dass im Jahr 2019 die Detailhandelsumsätze im Oktober 7% höher waren als von Januar bis März[2].
  • Zahlungen mit Debitkarten am Point-of-Sale (PoS) erreichten 812 Mio. CHF pro Woche während der vergangenen 4 Wochen und liegen damit 17% über dem vor-COVID-19 Niveau (694 Mio. CHF pro Woche).
  • Bargeldbezüge mit Debitkarten und Bankkarten während der vergangenen 4 Wochen liegen bei 675 Mio. CHF pro Woche und damit 14% unter dem vor-COVID-19 Niveau (783 Mio. CHF pro Woche).
  • Zahlungen mit Kreditkarten an inländischen Points-of-Sale (PoS) erreichten 378 Mio. CHF pro Woche während den vergangenen vier Wochen und liegen damit 13% über dem vor-COVID-19 Niveau (334 Mio. CHF pro Woche).

Online Zahlungen mit Kreditkarten an inländische Händler erreichten 129 Mio. CHF pro Woche während der vergangenen 4 Wochen und liegen damit 15% unter dem vor-COVID-19 Niveau (152 Mio. CHF pro Woche).

Zahlungen mit Debitkarten am Point-of-Sale (PoS): Abschwung in den Innenstädten seit der Einführung neuer Massnahmen auf Bundesebene zur Bekämpfung von Covid19

  • Am 19. Oktober wurden neue Massnahmen auf Bundesebene zur Eindämmung der steigenden Anzahl an Corona-Infektionen eingeführt. In den drei Wochen, die seither vergangen sind, wurde eine signifikante Abnahme bei den Debitkartenzahlungen am PoS ersichtlich. Verglichen mit dem Jahr 2019 zeigten unsere Daten eine Zunahme um 14% während der vergangenen 3 Kalenderwochen (KW43-45). In den 4 vorangehenden Wochen (KW39-42) betrug die Differenz im  Jahresvergleich 21%[3].
  • Während der vergangenen 3 Kalenderwochen (KW39-42) blieb die Änderung des Jahresvergleichs der Debitkartenzahlungen am PoS für Händler der Kategorie “Lebensmittel & Supermärkte” konstant hoch (+30% verglichen mit 2019). Im Gegensatz dazu zeichnete sich in der Kategorie “Andere Detailhändler” (+7% verglichen mit 2019) eine deutliche Abschwächung verglichen mit den 4 vorangehenden Wochen (+19% verglichen mit 2019 während CW39-42).
  • Händler in der Kategorie “Gastwirtschaft & Restaurants” und “Unterhaltung” verzeichneten die stärkste Abnahme in Debitkartenzahlungen am PoS während der vergangenen 3 Wochen. Zahlungen an Händler der Kategorie “Gastwirtschaft & Restaurants” erreichten während der KW43-45 gerade das Niveau von 2019 (+0%), verglichen mit einer Zunahme von +32% im Jahresvergleich der KW39-42. Zahlungen an Händler der Kategorie “Unterhaltung” waren 38% niedriger als das Niveau der KW43-45 des Jahres 2019, verglichen mit einer Zunahme um +6% im Jahresvergleich der KW39-42.
Grafik 2. Transaktionen mit Debitkarten am PoS nach Händlerkategorie und Kalenderwoche (in Million CHF).
  • Die Abnahme der Debitkartenzahlungen am PoS ist am stärksten in den Innenstädten spürbar. Dort wird lediglich eine Zunahme von +5% während der KW43-45 verglichen mit 2019 verzeichnet. In den 4 vorangehenden Wochen lag der Jahresvergleich in den Innenstädten noch bei +17%. Im Gegensatz dazu betrug der Jahresvergleich für die Umsätze bei Händlern in der Agglomeration +23%, was einer deutlich geringeren Abnahme vom Jahresvergleich der KW39-42 entspricht (Jahresvergleich der KW39-42 +26%)
  • Der jüngste Rückgang der Debitkartenzahlungen am PoS ist besonders im Kanton Genf festzustellen, wo ein lokaler Lockdown für alle nicht-essenziellen Läden bereits seit dem 2. November in Kraft ist. In der ersten Woche nach dem lokalen Lockdown reduzierten sich die Zahlungen mit Debitkarten am PoS um 20% (KW45 vs. KW 44). Die Abnahme derselben Kalenderwochen betrug im Jahr 2019 lediglich 2%.
Grafik 3. Transaktionen mit Debitkarten am PoS von Schweizer Konsumenten nach Kanton und Kalenderwoche (in Mio. CHF): Kanton Genf
  • Die Ausgaben von Schweizer Konsumenten in Nachbarstaaten haben während der vergangenen 3 Wochen stark abgenommen. In Deutschland liegen die Einkäufe mit Debitkarten beispielsweise 32% unterhalb der Einkäufe während den KW43-45 des Jahres 2019. In den 4 vorangehenden Wochen (KW39-42) war das Transaktionsvolumen noch leicht höher (+3%) als 2019.
Grafik 4. Transaktionen mit Debitkarten am PoS von Schweizer Konsumenten im Ausland nach Staat und Kalenderwoche (in Mio. CHF). 

Zahlungen mit Kreditkarten: Grenzüberschreitende Zahlungen sinken mit dem Ende der Herbstferien.

  • Mit dem Ende der Herbstferien nahen auch die Ausgaben von Schweizer Konsumenten an ausländischen PoS stark ab. In den drei Wochen seit Mitte Oktober betrugen die durchschnittlichen Zahlungen in Nachbarstaaten 95Mio. CHF pro Woche (15. Oktober – 4. November) verglichen mit 137 Mio. CHF pro Woche während den vorangehenden 4 Wochen (17. September – 14. Oktober).
  • Grenzüberschreitende Onlinezahlungen mit Kreditkarten von Schweizer Konsumenten nahmen um 6% ab während der vergangenen 3 Wochen (15. Oktober – 4. November:  141 Mio. CHF pro Woche), verglichen mit den 4 vorangehenden Wochen (17. September – 14. Oktober: 154 Mio. CHF pro Woche).
Grafik 5: Wöchentliche grenzüberschreitende Transaktionen mit Kreditkarten nach Zahlungskanal, 2020

[1] Aufgrund der fehlenden Daten für das Jahr 2019, können wir die Kartenumsätze nicht mit dem Vorjahr vergleichen. Deswegen vergleichen wir die neusten Daten mit der vor-COVID-19 Periode des Jahres 2020, d.h. mit den 10 Wochen vom 02.01. – 11.03.2020.

[2] http://monitoringconsumption.org/DHU_nowcast

[3] Die Zunahme der Debitkartenzahlungen am PoS scheint zu einem grossen Teil aufgrund einer Verschiebung im Zahlungsverhalten zu entstehen, wobei Debitkartenzahlungen Zahlungen mit Bargeld zunehmend verdrängen: http://monitoringconsumption.org/Covid19_Cash